Zur Geschichte der Heldritter Kirche:

Im Jahre 1668 schreibt Pfarrer Johann Kreuchauff auf einen kleinen Zettel - eingelegt im Kirchenbuch - ein Notabene:

"...ueber der kleinen Kirch Thuer alhier stehen diese Wort in einen Stein gehauen lateinisch und fast unleserlich dieses Inhalt: 'Anno Domini 1477 tertia feria post Pentecostes inceptum est hoc opus'. Das ist: im Jahr Christi 1477 damals in der Pfingstwoche ist dieses Kirchengebaeud angefangen worden." Es erscheint fast sicher, dass die 1477 begonnene Kirche zumindest teilweise aus Stein gebaut war. Ob sie die ueberhaupt erste Kirche unseres Dorfes war, laesst sich begruendet nicht sagen, ebenso wenig, ob die im Jahr 1350 erwaehnte Filiale Heldritt (St. Nikolaus) auch schon ein Krichengebaeude hatte. Zu der Zeit war Heldritt noch eine Filialkirche von Rodach. "gegeben in vnserer Statt Wurtzburgk mittwochen der war 19. Novembris Anno MDXI", gez. Caspar Fiscatis, Priester, wird der Stiftungsbrief fuer die selbstaendige Pfarrei Heldritt ausgefertigt - knapp sechs Jahre vor Luthers Thesenanschlag. Die Kirche traegt den Namen des Heiligen Nikolaus, eines der gefeiertsten Volksheiligen des Abendlandes, der u.a. von den Seeleuten, Haendlern, Schneidern, Fuhrleuten, Advokaten und Metzgern zum Patron erwaehlt worden war. Erste Kirchenpatrone werden Veit von Heldritt zu Heldritt und Margaretha, Witwe des Heinrich von Heldritt. Der erste Pfarrer heisst Oswald Hofmann, er war ein Rodacher. Wenige Jahre spaeter (1524) erteilte Kurfuerst Friedrich III. von Sachsen die Genehmigung zur "neuen lutherischen Gottesdienstordnung." Bei der zweiten Kirchenvisitation 1536 erschien den Beauftragten der Heldritter Pfarrer Wolfang Nothnagel nicht genuegend ausgelastet und recht gering besoldet. Mit Zustimmung Stephans von Heldritt wurde beschlossen, dass Pfarrer Nothnagel woechentlich dreimal in Grattstadt zu predigen habe. Den Heldritter Pfarrern ging es immer schlechter, viele kummervolle Briefe belegen dies bis ins 19. Jahrhundert. So blieb es z. B. nicht aus, dass sich der Heldritter und Oettingshauser Pfarrer wegen der Gebuehren fuer Kindtaufen, Hochzeiten und Begraebnisse in der Vikarei Grattstadt in den Haaren lagen, dass Wolff Christoph von Heldritt 1620 schrieb, es sei "... ein gantz abscheulig ding, wenn sich die Pfarrer streiten." In den schlimmen Wirren des 30-jaehrigen Krieges muss unser Geistlicher Heinrich Luzius mit vielen Dorfbewohnern ins Lautertal und spaeter in die dichten Waelder Thueringens fluechten. Am Ende des Krieges ist unser Dorf zu mehr als zwei Dritteln "oed" und "... das alte Kirchbuch sambt anderen nuetzlichen Kirchen Sachen durch die Soldaten in dem Pfarrhaus verbrennt...". Der schon erwaehnte Pfarrer Kreuchauff macht sich 1668 ungesaeumt an die Verbesserung der kirchlichen Zustaende in Heldritt. Er veranlasst eine Sammlung fuer eine neue Orgel und ein neues Leichentuch. Heldritt hatte damals das Glueck, dass - vermutlich durch die Kriegsereignisse - Johann Wiegleb, geboren etwa 1647 zu Pferdingsleben bei Gotha, der Begruender einer bekannten Orgelbauerdynastie wurde. Er baute fuer 50 Gulden die neue Orgel. In der zweiten Heldritter Dorfordnung von 1676 findet sich als erster Artikel folgende Gerneralklausel: "Soll ein jeder Nachtbar in der Gemeinde sich vor allen Dingen eines christlichen, erbarn Lebenswandels befleissigen, sich fleissig zu Kirchen und Gehoer goettlichen Wordts, auch zum Gebrauch der hochheiligen Sacramenten und Catechismus information einstellen, auch die seinen darzu ermahnen."

Baumassnahmen von einiger Bedeutung wurden erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts begonnen, sie erfolgten unter Pfarrer Johann Christoph Koerber. Laut Dorfrechnung von 1703/04 verzehrte der Schultheiss 8 Gr. 5 Pf. mit dem Meister Zimmermann, ... "da er das Holtz zum Kirchenbau gefaellet." Das waren ueber 60 Staemme "schwarzes Holz" (Fichten) und viele Eichen, die fuer den neuen Kirchturm benoetigt wurden. Bei den Arbeiten stuerzt uebrigens der Schieferdecker Kries aus Lehesten toedlich ab. Es wurde ein neuer Turmkopf angefertigt und alle Fenster mit Tafelglas versehen. Beim Richtfest verzehrte der "gantze Erbar Gemeind" 10 Gulden.

1733 musste die Vikarei Grattstadt abgetreten werden; sie kam zur neuerrichteten Pfarrei Ahlstadt. Die Bezuege des Heldritter Pfarrers reduzierten sich entsprechend. 1731 wird das Kirchgewoelbe eingerissen, wobei die Orgelpfeifen teilweise verbogen wurden. Der Orgelbauer erhaelt fuer die Reperatur 4 Gr. 2 1/2 Pf. Drei Jahre spaeter wird das Innere der Kirche "...gemahlet und ausgeziert." Friechrich von Heldritt hatte dazu u.a. bestimmt: "Den Kirchenhimmel mit einem Gewoelck, worunter zuweilen ein Engelskopf mit verguldeten Aeugln vorblicket, zwar mit tuechigen Leimfarben, jedoch mauch mit sonderlichem Fliess mahlen." In der Zeit - Pfarrer Walbach amtiert fast 50 Jahre hier - wird zwischen der Familie von Heldritt und der Gemeinde bzw. dem Konsistorium ein heftiger Streit wegen des Erbbegraebnisses in der Kirche gefuehrt. Der Schultheiss berichtet: "...mussten uns gefallen lassen, dass unser Kirchlein aufgegraben und umgegraben wird... Vor 14 - 15 Jahre sei ein lediger Mensch, namens Andreas Jacob, beim Hl. Abendmahl in ein Grab gefallen..." (das war uebrigends der spaetere Gemeindehirt). Im Jahre 1761 werden Schieferarbeiten am Turm erforderlich; der Turmkopf erhaelt "neu Glans, Farbe und Ansehen." Elisabetha Carolina Regina von Heldritt, geb. von Boineburg, war 1793 gestorben und als letzte in der adligen Gruft in der Kirche beigesetzt worden. Das Patronatsrecht fiel an den Herzog zurueck, nachdem das untere Schloss 1801 fuer 17.000 Gulden von der Gemeinde gekauft worden war.

Im Jahre 1808 beginnt eine wahre Serie von Schaeden an den Glocken. Wenige Jahre spaeter (1810) berichtet der neue Pfarrer Christian Guenther ans Konsistorium, "...dass das Licht auf dem Gisch ausgehet", so werde das Pfarrhaus von allen Seiten "... vom Winde bestrichen." Er forderte mehr Holz und die Anbringung von Fensterlaeden. Auf ihn folgt 1820 Pfarrer Ernst Schwarz, der grosse Baumeister unserer Kirche. Schon 1821 laesst er die Kehle zwischen Turm und Kirche mit Schiefer decken: 1823 wird eine neue Sakrtistei gebaut und 1825 erfolgt eine umfaengliche Sanierung des Kircheninneren. Die Kirche erhielt einen neuen Bodenbelag, die Stiege zur 1. Empore wurde entfernt (sie fuehrte am Kanzelfenster vorbei), das Stiegentuermchen an der westlichen Giebelseite wurde abgerissen, die meisten Fenster vergroessert, die ganze Kirche getuencht, die Kanzel verkleinert und die Orgel neu gestrichten. Und 1834 - wieder einmal - war die Wetterfahne aus dem Lot geraten und musste repariert werden.

Pfarrer Hess muss den 1835 erkrankten Pfarrer Schwarz bis in Jahr 1850 vertreten. Er fuehrte hier 1836 die Sonntagsschule ein, hatte weiteren Aerger mit dem Coburger Glockengiesser und fuehrte 1847 wieder einen grossen Kirchenumbau durch. Es entstand die Kirche in der heutigen Gestalt. Die Seitenmauern wurden um fast drei Meter erhoeht, das gebretterte Tonnengewoelbe wurde entfernt, Dachstuhl der Kirche und Westseite des Turms voellig neu aufgefuehrt sowie Eingangstueren und Treppen erneuert. Die Gottesdienste fanden solange in Elsa, Oettingshausen, Grattstadt und Ahlstadt statt. 1858 zersprang die mittlere Glocke. 1867 trat der letzte Pfarrer fuer Heldritt, Georg Wittmann sein Amt an. In diesem Jahr wurde eine neue Orgel angeschafft und im Altarraum aufgestellt. Nach einigem Straeuben - der Pfarrer sollte wesentlich besser besoldet werden - regte Heldritts Schultheiss Nicol Krauss die Vereinigung mit Elsa an. Sie erfolgte 1875.

Erster gemeinsamer Pfarrer war Karl Schott; mit ihm wurde 1883 die Lutherlinde vor der "Philipps"-Scheune gepflanzt. Zwei Jahre spaeter erhielt der Kirchturm ein neues Dach; Turmknopf- und Fahne wurden vergoldet. Im Zuge einer gruendlichen Renovierung der Kirche (1901) erhielt die Kirche einen neuen Anstrich - innen und aussen -, einen neuen Bodenbelag, Buntfenster und einen neuen Epistelstuhl.

1911 wurde das 400-jaehrige Jubilaeum unserer St. Nikolauskirche und der Pfarrei festlich begangen. 1921 erfolgte der kirchliche Anschluss des Coburger Landes an die Bayerische Landeskirche. 1930 wurde die baufaellige Sakristei abgebrochen; die Kosten fuer den Neubau stiftete die Familie von Butler. 1937 entstand die neue Leichenhalle.

In den beiden Weltkriegen waren die zwei grossen Glocken beschlagnahmt und eingeschmolzen worden; jedes Mal opferte die Gemeinde fuer die neuen Glocken erhebliche Summen.

1959/60 veranlasste Pfarrer Julius Kasperowitsch die dringend noetige Ausseninstandsetzung des Kirchenschiffes. Darueber hinaus erhielt die Kirche wieder neue Fenster und Tueren, eine automatische Laeutanlage, einen neuen Anstrich und Bodenbelag.

1971 war - unter Pfarrer Wiedemann - abermals die Erneuerung der Turmspitze erforderlich. Bei dieser Gelegenheit wurden von der politischen Gemeinde Heldritt zwei neue Zifferblaetter fuer die Turmuhr angebracht.

Im Jahr 1986 nun begannen die wohl umfangreichsten Renovierungsmassnahmen an unserer Kirche - sie reichten von der Wetterfahne bis ins Fundament. Im einzelnen sind sie in den Aufzeichnungen fuer die Turmkapsel (1987) aufgefuehrt.

Unser junger Pfarrer Eckhart Kollmer, am 1. Mai 1985 (auf eigenen Wunsch) von Coburg nach Elsa versetzt - er ist 35. Pfarrer seit 1511 -, hatte gleich die zusaetzliche Buerde des Bauherrn - neben den Kirchenumbauten in Elsa und Grattstadt sowie den Renovierungsarbeiten am Pfarrhaus von Oettingshausen und den Kindergartenumbau in Elsa - zu tragen. Die 1867 im Altarraum aufgestellte neue Orgel hatte im Laufe der Zeit mehrmals den Standort wechseln muessen. Im Zuge der Umbauarbeiten 1988 wurde sie auf die 2. Empore versetzt und im Winter 2000 gereinigt und erweitert. Das bunte Fenster an der Ostseite und das schmucke Altarkreuz (es steht auf einem Sockel aus Gneis) fertigte die Kuenstlerin Annemarie Reiser-Meyerweissflog aus Unfinden bei Koenigsberg. Das Wandkreuz ist eine Arbeit des Schorkendorfer Holzbildhauers Ros aus Schorkendorf. Das Holz zu den neuen Kirchenbaenken stifteten je zur Haelfte die Familien von Butler und die Heldritter Waldkorporation. Nach Vorstellung engagierter Gemeindeglieder wurde 1998 das Chorgestuehl eingebaut.

Moege jeder in unserer Kirche erfahren, was er gerade am noetigsten braucht: Frieden, Erbarmen, Dankbarkeit, Ruhe und Vertrauen.

Heldritt, im Januar 2001 Paul Guenther

 




Vielen Dank fuer die Erstellung dieser Chronik an

Paul Guenther

PolizeiDir. a.D.
Heldritt
Am Schafberg 6
96476 Bad Rodach

Tel.: (0 95 64) / 13 00


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